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1790 - Nikolai Michailowitsch Karamsin, russischer Bildungsreisender

Das reiche und das schmutzige Paris

 

Paris hat die beste Ansicht, wenn man von Versailles kommt; große Gebäude mit Spitzen und Kuppeln erblickt man vor sich; zur Rechten fließt die Seine, mit malerischen Gärten und Lusthäusern besetzt; zur Linken erhebt sich hinter einer weiten grünen Ebene der Berg Martre, der ganz mit Windmühlen besetzt ist, die einem Heere geflügelter Riesen gleichen. Der Weg ist breit, eben und so glatt wie ein Tisch. Des Abends ist er durch Laternen erleuchtet. Die Barriere ist ein mit mäßiges Haus, das aber durch die Schönheit seiner Architektur einnimmt. Über eine große schöne Wiese fährt man nach den Champs Elysees, die nicht umsonst diesen reizenden Namen führen. Ein Lustwald, der von den Oreaden selbst gepflanzt scheint, der hie und da durch kleine blühende Rasenplätze unterbrochen und in welchem man hie und da auf kleine artige Haus stößt, die entweder zu Kaffeehäusern oder zu allerhand Kaufläden dienen. Das sind die Champs Elysees! Hier spaziert das Volk des Sonntags, Musik erschallt überall und die jungen Leute tanzen. Arme Leute ruhen hier von der Arbeit der Woche aus. Gelagert auf das frische Gras: trinken sie ihre Flasche Wein und singen vaudevilles. Man kann nicht alle Schönheit dieses Lustortes betrachten, der gleichsam aus mehreren zu beiden Seiten des Weges zerstreuten Lustwäldchen besteht — der Blick fliegt unwillkürlich vorwärts nach dem großen achteckigen Platze, wo die Statue Ludwigs des Fünfzehnten steht, die mit einer Balustrade von weißem Marmor umgeben l ist. Von da aus sieht man wieder die dichten Alleen des berühmten Gartens der Tuilerien vor sich, die nach dem prächtigen Palaste führen. Eine herrliche Ansicht!
   Tritt man in diesen Garten, so weiß man nicht, ob man die dichten alten Alleen oder die Schönheit der hohen Terrassen mehr bewundern soll, die sich auf beiden Seiten durch die ganze Länge des Gartens erstrecken, ob man seine Aufmerksamkeit auf die herrlichen Bassins oder auf die Blumenbeete oder auf die Vasen, Gruppen und Statuen richten soll. Der Künstler Le Noir, der Schöpfer dieses unleugbar geschmackvollsten Gartens in Europa, hat jedem Teile das Gepräge des Geschmackes aufgedrückt. Hier spaziert nun schon nicht mehr der Pöbel, wie in den Champs Elysees, sondern die sogenannte feine Welt versammelt sich hier - gepuderte und geschminkte Herren und Damen. Betritt man endlich die große Terrasse und erblickt überall hinter sich und vor sich, zur Rechten und zur Linken die größten und schönsten Gebäude, Paläste und Tempel, die schönen Ufer der Seine, die Brücken von Granitblöcken, über welche sich Tausende von Menschen und Wagen drängen - wie kann man da wohl von Paris anders urteilen, als daß es die erste Stadt in der Welt, der Mittelpunkt aller Pracht und Größe sei? Hier aber muß man auch bleiben, wenn man seine Meinung nicht ändern will.
   Geht man weiter, so stößt man auf enge Gassen, auf das widrigste Gemisch des Reichtums mit der bettelhaftesten Armut. Neben dem blitzenden Laden eines Juweliers erblickt man einen Haufen verfaulter Äpfel oder Heringe; überall ist Kot und hie und da sogar Blut, das wie Bäche aus den Fleischerbuden herausströmt. Hier muß man Nase und Augen verstopfen!
   Das Bild der prächtigsten Stadt verliert sich, und es scheint, als würde aller Kot und Schmutz der ganzen Welt durch unterirdische Kanäle nach Paris geführt. Geht Ihr noch einen Schritt weiter, so umduften Euch Wohlgerüche des glücklichen Arabiens. Ihr seid nämlich in der Nähe einer der in Paris unzähligen Buden, wo man Wohlgerüche und Pomaden verkauft. Mit einem Wort - bei jedem Schritte hat man eine neue Atmosphäre und sieht neue Gegenstände des Luxus oder der niedrigsten Unreinlichkeit, so daß Paris mit Recht die schönste und häßlichste, die wohlriechendste und stinkendste Stadt auf dem Erdenrund nennen kann. Die Straßen sind alle ohne Ausnahme eng und dunkel, welches bei der Höhe und Größe der Häuser wohl nicht anders sein kann. Die berühmte Straße Saint Honoré ist die längste, die geräuschvollste und die kotigste. Wehe dem armen Fußgänger, vorzüglich, wenn es regnet! Er muß entweder den Kot in der Mitte der Straße messen - denn da das Pflaster von beiden Seiten der Mitte zu abfällt, so ist gewöhnlich in der Mitte der Straße ein außerordentlicher Kot -, oder das Wasser stürzt ihm aus den Dachröhren auf den Kopf und läßt auch nicht einen trockenen Faden an ihm. Ein Wagen ist hier unumgänglich nötig, wenigstens für einen Fremden, denn die Franzosen verstehen es meisterhaft, durch Kot zu waten, ohne sich zu beschmutzen, meisterhaft springen sie von einem Steine zum andern und schützen sich hinter den Buden vor den rollenden Wagen. Der berühmte Tournefort, der fast die ganze Welt durchreist hatte, wurde bei seiner Rückkehr nach Paris von ein Fiaker zerquetscht, weil er auf seinen Reisen die Kunst, auf den Straßen gemsenartig zu springen, verlernt hatte - eine Kunst, die einem hiesigen Einwohner unumgänglich nötig ist.

 

Karamsin, Nikolai Michailowitsch
Briefe eines russischen Reisenden
Band 4, Leipzig 1803

 

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