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Film zu einem Besuch in einem Massaidorf im Ngorogorokrater

Hochpreisige Hotels und viele Steuern und Gebühren verhindern Massentourismus auf Sansibar. Die sozialen Gegensätze werden so noch deutlicher.

Zanzibar Ostküste

Die Serengeti  Zum Film Gnuwanderung von der Serengeti in Tansania nach Masai Mara in Kenia und zurück Zum Film  Gepard und Löwen in der Serengeti  Flug von Arusha nach Zanzibar

Serengeti

Tarangire Park

Zum Tarangire Nationalpark

 Zum Film Elefantengruppe im Tarangire Nationalpark im April 2018

Lake Mayara Nationalpark

Zum Lake Mayara Nationalpark   

Zum Ngorogoro-Krater Zum Film Nashorn im Ngorogoro Krater

Ngorogoro-Krater

Sansibar als Alternative zu den Malediven & Seychellen?

 

Dieser Vergleich ließ mich das Boutique Hotel Matlai auf der Halbinsel Michamwi Pingwe auf Sansibar buchen. Das Hotel liegt nur wenige Meter vom „wohl coolsten Restaurant der Welt: The Rock“ entfernt, erfuhr ich weiter auf der travelbook-Seite. Zusammen mit einer Safari war der Osterurlaub schon bald perfekt geplant:  Die Serengeti, der Ngorogoro-Krater und zwei weitere Nationalparks wollten wir vor unserem Sansibarurlaub besuchen. Wir freuten uns auf einen Besuch in dem Land, das unsere Studienfreunde im Rahmen deutscher Entwicklungsprojekte bereits in den siebziger Jahren bereist hatten. Wir waren bisher lediglich in Kenia gewesen und erwarteten ein Land, in dem europäische Entwicklungspolitik  und der afrikanische Ujamaa-Sozialismus von Julius K. Nyerere Früchte trugen. Self-reliance war der Kerngedanke dieser in der Arusha-Deklaration 1967 formulierten  (Swahili: kujitegemea, deutsch etwa: „Selbstverantwortung, Eigenständigkeit“) Initiative des damaligen Staatspräsidenten Tansanias, Julius Nyerere.

Nyerere war im vergangenen Jahrhundert die zentrale Figur der politischen Veränderungen in Ostafrika. Wie viele andere antikoloniale Kämpfer hatte der 1922 in Butiama östlich des Viktoriasees geborene Nyerere eine Ausbildung an einer europäischen Universität genossen, nachdem er zuvor in der ugandischen Hauptstadt Kampala zum Lehrer ausgebildet worden war. Nach seiner Rückkehr aus dem schottischen Edinburgh, wo er Geschichte und Politikwissenschaften studiert hatte, beteiligte sich Nyerere an der Gründung der Befreiungsbewegung Tanganyika African National Union (TANU). Nyerere übernahm die Führung der Organisation, wurde nach der Unabhängigkeit Tanganjikas 1961 erster Premierminister und im Jahr darauf zum Präsidenten gewählt.

Ujamaa bedeutete für Nyerere, Dorfgemeinschaften entstehen zu lassen. Wenige Menschen oder Großfamilien, die oft weit voneinander entfernt wohnen, sollten sich zu großen Dorfgemeinschaften zusammentun. Dabei sollen folgende Richtlinien beachtet werden:

    Gegenseitige Achtung

    Gemeinsames Eigentum

    Verpflichtung zur Arbeit

(siehe auch: Afrikanischer Sozialismus. Aus den Reden und Schriften von Julius K. Nyerere. Aus dem Englischen von Klaus Steinmetz. Texte zum kirchlichen Entwicklungsdienst, Nr. 5. Lembeck Verlag, Frankfurt am Main, 1979)

Während dieses Programm im Bildungssektor umgesetzt werden konnte, scheiterte es im wirtschaftlichen Bereich. 

1985 trat Nyerere als Staatspräsident zurück, ein ungewöhnlicher Schritt, der nicht nur in Afrika, sondern weltweit Anerkennung fand. Er blieb aber bis 1990 Vorsitzender der Einheitspartei CCM („Chama Cha Mapinduzi“, „Revolutionäre Staatspartei“). Bis zu seinem Tod 1999 war Nyerere als Friedensvermittler in Afrika unterwegs. Es ist auch seiner Politik zu verdanken, dass Tansania seit der Unabhängigkeit keinen Bürgerkrieg erleben musste. Seine Gesellschafts- und Wirtschaftspolitik war indes weniger erfolgreich: noch heute zählt Tansania zu den ärmeren Ländern Afrikas.

Sansibar mit  1.155.065 Einwohnern (2007) als halbautonomer Teilstaat des Unionsstaates Tansania ist noch einmal ärmer als Festland-Tansania:  Das durchschnittliche Jahreseinkommen beträgt 250 US-Dollar - In Deutschland betrug das durchschnittliche Jahreseinkommen 2015  58.152 Euro. Über die Hälfte der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze. Die Kindersterblichkeit in Sansibar beträgt 54 von 1000 Lebendgeburten. In Deutschland betrug die Kindersterblichkeit 2006 3,8 pro 1000 Lebendgeburten. Man schätzt, dass etwa 12 % der Kinder unter akuter Mangelernährung leiden.

Die Lebenserwartung bei der Geburt lag 2010 bei 54 Jahren. In Deutschland betrug die Lebenserwartung 2015 78,4 Jahre, weltweit waren es 2010 67 Jahre.

Trotz des enormen Wachstums der Weltwirtschaft in den vergangenen Jahrzehnten – darunter auch in einigen der ärmsten Länder Afrikas – sind die meisten Menschen in Tansania also im Teufelskreis von Hunger und Armut gefangen.

74 Prozent der Tansanier leben auf dem Land. Obwohl die Wirtschaft seit Beginn der 1990er-Jahre konstant wächst, haben 42 Prozent der Kinder unter 5 Jahren aufgrund von Mangelernährung leichte bis schwere Entwicklungsstörungen. Bei mir löste diese sichtbare Armut Schuldgefühle aus: Wie pervers ist diese Differenz, dachte ich? Was mache ich hier? Doch heute sehe ich meine Reise  bezogen auf unseren Aufenthalt in Tansania anders:

Im Juli 2010 unterzeichnete Tansania im Rahmen des Comprehensive Africa Agriculture Development Programme (CAADP) eine Vereinbarung und erarbeitete anschließend einen Agriculture and Food Security Investment Plan (TAFSIP) mit einer Laufzeit von 10 Jahren – auf Suaheli kurz: ‚Kilimo Kwanza‘ (Landwirtschaft zuerst). Ziel dieses Programms ist es, den Landwirtschaftssektor so umzugestalten, dass Wohlstand geschaffen, Armut reduziert sowie Versorgungs- und Ernährungssicherheit erreicht werden. Darüber hinaus beschäftigt sich das Programm mit der Produktivität in der Landwirtschaft, der Entwicklung des ländlichen Raums, der Nahrungsmittelversorgung und der Ernährung.


Die Regierung Tansanias schätzt, dass die Umsetzung dieses Programms im Verlauf von 10 Jahren 8,3 Milliarden US-Dollar kosten würde. 3,3 Milliarden US-Dollar davon werden in den ersten 5 Jahren benötigt. Gegenwärtig besteht eine Finanzierungslücke in Höhe von 1 Milliarde US-Dollar.

 Aus einer Analyse von ONE geht hervor, dass bei voller Finanzierung der ersten Phase des tansanischen Programms in den nächsten 10 Jahren weitere 2,2 Millionen Menschen aus der Armut befreit werden könnten. Das entspräche 5 Prozent der gegenwärtigen Gesamtbevölkerung.

Um die Einnahmen der Region Ostafrika zu steigern und die Region als gemeinsames Ziel zu vermarkten, harmonisierten Tansania, Uganda und Kenia nach langen Verhandlungen die Touristen-Visa. Jedes Land verlangt jetzt 50 US$. Der Tourismus ist der am raschesten wachsende Wirtschaftszweig Tansanias . 41,7 % der Devisen stammen aus diesem Bereich.  Viele Abgeordnete des Parlaments von Sansibar fordern, die Regierung müsse die Kultur Sansibars und die Arbeitschancen für die Sansibarer schützen: Im Tourismus dominierten Nicht-Sansibarer und Nicht-Tansanier. Man könne nicht zulassen, dass Leute von außerhalb einfach nach Sansibar kommen. Die Gesetze würden kaum beachtet. Das führe zu moralischem Verfall, und dazu, dass die Kinder die unanständige Art, sich zu kleiden, nachmachen.

Ein Tourismus der Achtsamkeit muss nicht nur hohe Einnahmen für die Zentralregierung sichern. In unserem Boutique Hotel Matlai sehen die deutschen Eigentümer die lokalen Probleme und beteiligen sich an deren Lösung:

  • Statt Kindern am Strand Geld für Muscheln zu geben, also das Betteln zu unterstützen, sammelt das Hotel Geld und unterstützt damit einmal im Jahr kommunale Projekte für Kinder.
  • Im nahen Dorf gibt es keine Müllabfuhr wie nirgendwo in Tansania. Das Hotel bemüht sich zusammen mit der Kommune, diese einzuführen.
  • Der Strand wird demokratisch von Gästen und von Dorfbewohnern gemeinsam genutzt.

Auf den Malediven herrscht Apartheit: Touristen- und Einheimischeninseln werden radikal voneinander isoliert. Entsprechend radikalisiert sich die Bevölkerung  in Richtung des IS. Auf Sansibar herrscht ein hingegen ein gemäßigter Islam. Die Förderung kommunaler Strukturen durch den Tourismus  muss also das Ziel sein.

Die  Seychellen hatten wie Sansibar ein freundschaftliches Verhältnis zur DDR: In Sansibars Hauptstadt zeugen verrottete Plattenbauten noch von dieser kuriosen Ära. Auf den Seychellen gibt es heute noch staatlich beschäftigte Müllmänner /-frauen oder Bibliothekarinnen, ob wohl auch dieser kleine Inselstaat 2008 Pleite war.  Der Internationale Währungsfonds kam zu Hilfe und vereinbarte mit der Regierung ein umfassendes Programm zur Neuausrichtung der Wirtschaft.

Wenn Tansania die Tourismusgewinne sowohl in die Landwirtschaft wie auch in die Entwicklung der kommunalen Infrastruktur investiert und dabei seine kulturellen Identitäten wahrt, kann der Tourismus ein Motor für die Entwicklung des Landes werden und Sansibar  kann eine Alternative zu den Seychellen und zu den Malediven werden. 

Somit bin ich sicher, dass unsere Tansania-Reise zumindest auf der wirtschaftlichen Ebene einen Nutzen für die Tansanier hatte, denn die Gebühren waren überall sehr hoch, aber das ist auch gut so, denn vielleicht funktionieren die geschilderten Vorhaben auf diese Weise.

Die Einführung einer kommunalen Kurtaxe für Touristen könnte ein nächster sinnvoller Schritt z. B. zur Schaffung einer Müllabfuhr o.ä. sein.

Gebühren in Nationalparks:

  • Arusha, Tarangire and Lake Manyara National Park. Erwachsene: USD 45. Kinder  unter 16 Jahren: USD 15. Kinder unter 5 Jahren: frei.
  • Kilimanjaro National Park. Erwachsene: USD 70. Kinder unter 16 Jahren: USD 20. Kinder unter 5 Jahren: frei.

Abdulrazak Gurnah ist Literaturnobelpreisträger 2021

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Sansibarischer Schriftsteller gewinnt als erster schwarzafrikanischer Schriftsteller seit 35 Jahren einen renommierten Preis

Der Literaturnobelpreis geht an den Schriftsteller Abdulrazak Gurnah für sein „kompromissloses und mitfühlendes Durchdringen der Auswirkungen des Kolonialismus und des Flüchtlingsschicksals in der Kluft zwischen Kulturen und Kontinenten“. Gurnah wuchs auf einer der Inseln Sansibars auf, bevor sie in den 1960er Jahren vor der Verfolgung als Student nach England floh. Er hat 10 Romane sowie eine Reihe von Kurzgeschichten veröffentlicht. Anders Olsson, Vorsitzender des Nobelkomitees, sagte, dass die Romane von Gurnah – von seinem Debüt „Memory of Departure“ über einen gescheiterten Aufstand bis zu seinem jüngsten „Afterlives“ – „von stereotypen Beschreibungen zurückschrecken und unseren Blick auf ein kulturell diversifiziertes Ostafrika ungewohnt öffnen“ für viele in anderen Teilen der Welt“. Seit Wole Soyinka 1986 hat kein schwarzafrikanischer Schriftsteller den Preis gewonnen. Gurnah ist der erste schwarze Schriftsteller, der seit Toni Morrison 1993 gewonnen hat. Gurnahs vierter Roman Paradise wurde 1994 für den Booker-Preis nominiert und sein sechster Roman By the Sea kam 2001 auf die Longlist das Herz der Finsternis“. „[Gurnah] hat konsequent und mit großem Mitgefühl die Auswirkungen des Kolonialismus in Ostafrika und seine Auswirkungen auf das Leben entwurzelter und migrierender Personen durchdrungen“, sagte Olsson vor Journalisten in Stockholm. Gurnah, der in der Küche war, als er von seinem Gewinn erfuhr, sagte, er glaube, es sei eine Abwicklung. „Ich dachte, es wäre ein Streich“, sagte er. „Diese Dinge werden normalerweise wochenlang oder manchmal Monate vorher darüber geredet, wer die Läufer sind, also war es überhaupt nichts, was ich im Sinn hatte. Ich dachte nur, ich frage mich, wer es bekommt?“ „Ich fühle mich geehrt, diesen Preis zu erhalten und mich den Autoren dieser Liste anzuschließen, die mir vorausgegangen sind. Es ist überwältigend und ich bin so stolz.“ Seine langjährige Redakteurin Alexandra Pringle bei Bloomsbury sagte, Gurnahs Sieg sei für einen Schriftsteller, der zuvor nicht die gebührende Anerkennung erhalten habe, „am höchsten verdient“. „Er ist einer der größten lebenden afrikanischen Schriftsteller, und niemand hat ihn jemals beachtet und es hat mich einfach umgebracht. Ich habe letzte Woche einen Podcast gemacht und darin gesagt, dass er einer der Leute war, die einfach ignoriert wurden. Und jetzt ist das passiert“, sagte sie. Werbung Pringle sagte, Gurnah habe immer über Vertreibung geschrieben, „aber auf die schönste und eindringlichste Art, die Menschen entwurzelt und über Kontinente hinwegweht“. „Es kann nicht immer Asyl sein, es kann so viele Gründe haben, es kann Handel sein, es kann ein Handel sein, es kann Bildung sein, es kann Liebe sein“, sagte sie. „Der erste seiner Romane, den ich in Bloomsbury übernommen habe, heißt By the Sea, und da ist dieses eindringliche Bild eines Mannes am Flughafen Heathrow mit einer geschnitzten Räucherkiste, und das ist alles, was er hat. Er kommt an und sagt ein Wort, und das ist ‚Asyl‘.“ Pringle sagte, Gurnah sei eine ebenso wichtige Schriftstellerin wie Chinua Achebe. „Sein Schreiben ist besonders schön und ernst, aber auch humorvoll und freundlich und einfühlsam. Er ist ein außergewöhnlicher Autor, der über wirklich wichtige Dinge schreibt.“ Afterlives, das letztes Jahr erschienen ist, erzählt die Geschichte von Ilyas, der als Junge von deutschen Kolonialtruppen seinen Eltern gestohlen wurde und nach jahrelangem Krieg gegen sein eigenes Volk in sein Dorf zurückkehrt. Es wurde im Guardian als „ein fesselnder Roman beschrieben, der all diejenigen nahe bringt, die vergessen werden sollten, und sich ihrer Auslöschung verweigert“. „In Gurnahs literarischem Universum verschiebt sich alles – Erinnerungen, Namen, Identitäten. Dies liegt wahrscheinlich daran, dass sein Projekt nicht endgültig abgeschlossen werden kann“, sagte Olsson. „Eine endlose Erforschung, die von intellektueller Leidenschaft angetrieben wird, ist in allen seinen Büchern präsent und heute in Afterlives ebenso prominent wie zu der Zeit, als er als 21-jähriger Flüchtling zu schreiben begann.“ Afterlifes von Abdulrazak Gurnah Rezension – Leben durch Kolonialismus Weiterlesen Maya Jaggi, Kritikerin und Preisrichterin des Costa-Preises 2021, sagte: „Gurnah, den ich 1994 zum ersten Mal für den Guardian interviewte, ist ein mächtiger und nuancierter Schriftsteller, dessen elliptische Lyrik dem Schweigen und den Lügen der imperialen Geschichte entgegenwirkt, die ihm als Kind in Ostafrika auferlegt wurden . Sein subtiles Oeuvre ist gegenüber den brutalen Mängeln der kaufmännischen Kultur, die er hinterlassen hat, ebenso robust wie den Gräueltaten des britischen und deutschen Kolonialismus, nicht zuletzt während des Ersten Weltkriegs, und den "zufälligen Terrorakten", die er als Schwarzer in Großbritannien erlebte - in seinem 1988 erschienenen Roman Pilgrims Way in einen Comic-Triumph umzuwandeln.“ Gurnah wurde 1948 geboren und wuchs in Sansibar auf. Als Sansibar 1964 eine Revolution durchmachte, wurden Bürger arabischer Herkunft verfolgt und Gurnah musste mit 18 Jahren aus dem Land fliehen. Er begann als 21-jähriger Flüchtling in England zu schreiben. obwohl Swahili seine Muttersprache ist. 1987 erschien sein erster Roman Memory of Departure. Er war bis vor kurzem Professor für Englisch.

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