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Marius von Mayenburg: Parasiten
Das Drama der Gegenwart ist durch die folgenden an
anderer Stelle näher charakterisierten Aspekte geprägt, :
Text und Handlung
Schauspieler / Figurenkonstellation
Raum und Zeit
Intention, Konzept und Darstellung
Wirkung / Rezension
UA:
Deutsches Schauspielhaus Hamburg 2000 - auf den Mühlheimer Theatertagen 2001 vorgestelltAutor: 1972 in München geb. 1994 - 1998 Studium an der Hochschule der Künste Berlin seit 1999 Dramaturg und
Hausautor an der Berliner Schaubühne am Lehniner Platz 1. Text und Handlung Die Struktur des Textes und die Handlung“
- Vergleichen Sie den Text mit einem bisher gelesenen Theaterstück:
- Welche Ähnlichkeiten und Unterschiede zeigen sich zu bisher im Unterricht behandelten Dramentexten?
- Entwickeln Sie Ideen, warum Mayenburg „Parasiten“ auf diese Weise aufgebaut hat!
2.
Schauspieler / Figurenkonstellation
Charakterisieren
Sie die fünf Verlorenen!
3. Raum und Zeit „Parasiten
und ihre Wirte“/„Mein Haus, Mein Boot, Mein Auto“
- Das Stück von Marius Mayenburg schildert die Schattenseiten unserer Fun-, Glücks- und Erfolgsgesellschaft in einer abgeschabten Sozialwohnung.
4.
Intention, Kontept und Darstellungsmittel Entwerfen Sie zwei Standbilder und stellen Sie diese vor:
- Die Fun-, Glücks- und Erfolgsgesellschaft und ihre Schattenseiten mit den Requisiten dieser Welten.
- Ursprünglich sollte der Titel des Stückes von von Mayenburg „Gestank“ lauten
- Erarbeiten Sie Ideen zu einer
Inszenierung der ersten und der letzten Szene des Stückes!
Im Neuen Testament steht:"Du sollst lieben Gott, deinen Herrn, von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüte. Dies ist das vornehmste und größte Gebot. Das andere aber ist dem gleich. Du sollst
deinen Nächsten lieben wie dich selbst" (Neues Testament, Matthäus-Evangelium, Kapitel 22, Verse 37 u. 38). Vergleichen Sie die religiösen Aussagen des Stückes mit diesem Zitat!
5.
Wirkung des Stückes „Rezensionen“ (siehe Anhang)
- Lesen Sie die beiden Rezensionen, analysieren Sie diese und formulieren Sie jeweils eine eigene Position zu den Texten!
- Welche Merkmale
erscheinen Ihnen typisch für diese Textform? Ursprünglich sollte der Titel des Stückes von von Mayenburg „Gestank“ lauten.
"Parasiten" von
Marius von Mayenburg in Ostermeiers Regie langte in Berlin an ("Berliner Zeitung" vom 20. Mai 2001)
Parasiten", das jüngste Stück des Schaubühnen-Hausautors Marius von Mayenburg, wurde im Mai im Deutschen Schauspielhaus Hamburg uraufgeführt. Nun
ist diese Inszenierung von Thomas Ostermeier in der Schaubühne zu sehen. Es geht um Verletzungen und es tut weh. Das ist die Leistung des Autors, des Regisseurs und der Schauspieler. Eine Altruistin und fünf Notfälle (das Kind
im Bauch von Friderike, die es Parasit nennt, eingerechnet) setzen sich einander aus. Sie quälen sich, überrennen Schmerzgrenzen und rauben sich die letzten Zufluchten. Sie sind erbärmlich und erbarmungslos. Wenn sie etwas
zueinander sagen, sprechen sie sich Würde ab. "Das Gesicht von mir tut mir Leid. ", "Ich halte mich nicht aus. ", "Ich bin kein Einbauschrank. " Der Text ist gespickt mit verdichteten Definitionen
von brutal-hilfloser Lebensverachtung, er versteigt sich zuweilen ins Religiös-Angewandelte, oder er rutscht ab ins Zynisch-Floskelhafte. Aber er ist von einer Bitternis, die sich über einen herabsenkt und einem den Atem nimmt.
Er wirkt. Die Schauspieler gehen nicht ab. Das macht Überblendungen und harte Schnitte möglich. Sie sind in einer überaus merklichen Weise anwesend. Besonders Karin Pfammatter als besagte Schwangere erreicht einen
beunruhigenden Echtheitsgrad. In ihrem 12-Schlaftabletten-Monolog ("Eine für die Mutter. Eine für das Kind . ") schreit sie deutlich, aber leise auf. Sie wird zurückgeholt. Keiner schafft es, sich dem Elend durch
Selbsttötung zu entziehen. Man ertappt sich dabei, ihnen diesen ersten, letzten Erfolg zu wünschen, aber die Sonne scheint weiter. Blind und wie zum Hohn.
NRZ Kultur 30.05.2001 Tür an Tür mit der Hölle
Neue Stücke, die alten Probleme. Versehrte Menschen, gebrochene Existenzen, lieblos, voller Hass, im Katastrophengebiet, das da Leben heißt, gänzlich
gescheitert. Bei Marius von Mayenburg sind dies soziale "Parasiten", bei Theresia Walser skurrile Endzeit-Gestalten, traurig und lächerlich. Mit Mayenburgs "Parasiten"
und Walsers "So wild ist es in unseren Wäldern schon lange nicht mehr" ging der Mülheime Stückewettbewerb in eine zweite Runde. Mayenburgs "Parasiten" - das sind fünf
Elendsgestalten: Zwei Paare, die sich bis aufs Blut bekriegen, ein seltsam debiler Rentner, dazu ein Kind vor seiner Geburt. Sie sagt: "Ich bring mich um." Er sagt: "Bring den Müll vorher
runter." Grausam und komisch ist das. Der Wohlstands-Rentner, dem zwischen Tag und Traum so ziemlich alles verrutscht, beklagt larmoyant, man müsse heute einen Menschen halbtot
fahren, wenn man ihm begegnen wolle. "Ich wollte nur Gutes tun, so kommt Elend in die Welt." Halbtot gefahren hat er seinen Nachbarn, der unter der allzu betulichen Anteilnahme seiner
Freundin leidet. Sein Schicksal vor Augen, hadert er wie der biblische Hiob gegen Gott und die Welt. Mayenburg hat dieses "Endspiel" knapp konzipiert und bedient sich einer Sprache,
die bei einem 29-Jährigen zumindest erstaunt: Expressionistisch hochfahrend, verdichtet, jeglichen Wortmüll meidend. Gespielt wurden die "Parasiten" von erstklassigen Darstellern, darunter
der überragende Jörg Hube, in Florian Boeschs präziser Werkraum-Inszenierung der Münchner Kammerspiele. Johannes K. Glauber
WAZ Kultur 29.05.2001: Das Prinzip Lebensekel
Es ist ein verstörender Abend, den Marius von Mayenburg dem Theaterpublikum bereitet. Der jüngste unter den
jungen Stücke-Gästen dieses Jahres erzählt von Gemeinheit und Lebensekel, Dreck, Blut und Zynismus - ein schrecklicher Abend. Kein Abend, den man vergisst. Mayenburgs Parasiten war das zweite Stück, das sich um
den Mülheimer Dramatikerpreis beworben hat. Mit ungeheurer Intensität zeigt der 29-jährige Angst und Wut, körperliche und seelische Deformation; und wie Zusammenleben dabei unerträglich wird. Mit einer Sprache,
die manchmal gespreizt zynisch, manchmal von poetischer Größe ist, macht er ein Lebensgefühl erfahrbar, das Grauen weckt. Wenn solch tiefe Depression das Leben
bestimmt, wenn solche Kälte ausweglos herrscht - was dann? Vielleicht ist es eine Schwäche des Stücks, dass es keinerlei Möglichkeit kennt. Lapidar werden Einsichten hingestellt,
mit dieser wegwerfenden Geste, in der auch Hochmut liegt gegenüber denen, die nicht aufgeben wollen. Vielleicht ist dies aber auch eine Stärke des Stücks. Hoffnung würde seine Dringlichkeit wohl verwässern.
Fünf Menschen auf gelbem Grund. Er umgrenzt einen engen Raum, der Rest der Bühne bleibt kahl: Da draußen ist nichts, oder vielleicht die Welt. Wer nicht gerade in Aktion ist,
steht oder hockt starr, Plastiktüten liegen herum. Ein Mann im Rollstuhl fleht, tobt, er beschimpft seine Frau; aus seinem Schicksal leitet er das Recht auf Bosheit ab. Sie tröstet,
streichelt, und schafft mit ihrem grenzenlosen Verständnis neue Wut: bis auch sie Zynismus als Lösung entdeckt. Ein alter Mann. Er hat den Jungen zusammengefahren, er ist
Schuld an dessen Schicksal. Der Alte war längst am Ende, jetzt will er sein schlechtes Gewissen benutzen, um sich noch einmal ein Stück Leben zu verschaffen. Es gelingt ihm so wenig wie den anderen.
Dann ist da noch die Hochschwangere, die ihr Mann blau und blutig geschlagen hat. Sie hasst ihn hilflos und er verachtet sie stumpf, er stößt sie zurück und winselt nach ihr, und sie schlägt nach ihm
und kann ihn doch nicht allein lassen. In einer Holzkiste liegt eine Schlange. Der sonst so gefühllose Mann holt sie heraus und liebkost sie, er küsst die Schlange und nennt sie
seine Königin. Das ist die einzige Zärtlichkeit in diesem Stück. Es endet mit einem Schlag, in völliger Dunkelheit. Eine Frauenstimme schreit: Hol mich hier raus! Nach schockiertem Zögern setzt der Applaus ein.
Draußen ist der Abendhimmel noch hell, er ist blau und rosa von der untergehenden Sonne. Auch das ist ein Schock. Erstaunlich, wie schön das Leben sein kann.
Gudrun Norbisrath
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