Das Stück: Im Februar 1995 ermordeten rechtsradikale Bombenleger im österreichischen Burgenland vier junge Roma. Elfriede Jelineks Stück “Stecken, Stab und Stangl” wurde 1996 im Malersaal des Hamburger Schauspielhauses uraufgeführt.

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“Stecken und Stab” stammt aus den Psalmen Davids. “Staberl”  ist der Name eines Kolumnisten der Kronen-Zeitung, der an der Verschärfung des Klimas in Österreich großen Anteil hat. Mit “Stangl” ist Franz Stangel, der Kommandant von Treblinka gemeint, der in dem Stück auch mit Zitaten vorkommt, zum Beispiel:

“An manchen Tagen mussten wir an die 18.000 durchlaufen lassen.” Und damit meinte er: durch das Krematorium.

Im Stück heißt jeder Mann Stab, es sind Masken, die in jedem von uns stecken.

Der Text ist eine Konstruktion aus enfremdeten Sprechweisen, die wie ein Musikstück mit verschiedenen Stimmen gesprochen werden:

  • die Sprechweise der indirekten Mittäter,der Medien
  • die Sprechweise des verharmlosenden alltäglichen Geschwätzes und
  • Fetzen aus Celan-Gedichten

Ein wichtiger Teil des Textes ist das Häkeln, das Festhäkeln, das Auseinanderhäkeln, das Häkeln als Handarbeit wie das Bombenbasteln, etwas Gemütliches. Sie häkeln wie an einer Sprachdecke gegen den Tod an. Sie reden und bewegen  ständig ihre Hände. Zum Schluss schlägt Herr Stab mit einer umhäkelten Stange alles kaputt (S. 64 - 68 der rororo Ausgabe Nr. 22276, 14,60 DM)

Die Aufgabe: Szenisches Reflektieren von Körper- und Sprechhaltungen

1. Vorbereitung: Die SchülerInnen  lesen den Text mit verteilten Rollen

2. Rollenreflexion: Bleibt in eurer Rolle am Ort des Geschehens. Sprecht mit dem Spieleiter über den Text, über  euer momentanes Befinden und über Ideen zur Inszenierung.

3. Rollengespräch: Bleibt in euren Rollen. Verarbeitet eure Gefühle im Gespräch mit jeweils einer Person, die ihr euch selbst auswählt. Holt euch Hilfe, entscheidet selbst wo ihr miteinander sprecht. Versteht ihr an eurer Rolle etwas nicht, fragt euren Beobachter.

4. Gruppengeflecht festlegen:  Bleibt in euren Rollen. Sucht den Ort und die Haltung im Raum, die eure Position gegenüber der Gruppe und gegenüber den anderen zum Ausdruck bringt. Sagt  anschließend dem Spielleiter, warum ihr die jeweilige Position und Haltung einnehmt.

1. Spiel des Textes

5. Beobachterreflexion und Stimmenskulpturen: Sagt nach dem Spiel, was ihr an der von euch beobachteten Person wahrgenommen habt. Geht nacheinander nach vorne und zeigt eine typische Körperhaltung für die Person und sagt in dieser Haltung, was die Person in dieser Situation gedacht hat.Überlegt euch auch, welche inneren Stimmen in den Augenblicken auf sie eingesprochen haben und ihr Verhalten beeinflusst haben können. Sagt in der Haltung den Satz. Gebt dem Satz durch Lautstärke und Intonation einen bestimmten Gestus. Bleibt hinter der Person stehen. Sind genügend Stimmen vorhanden, werden sie vom Spielleiter abgerufen, koordiniert und kontrastiert. Er kann die Reihenfolge der Stimmen variieren, sie mehrfach abrufen. Anschließend prüft die Spielerin die Stimmen. Sie sagt, welche Stimmen unpassend sind, welche verstärkt oder abgeschwächt werden muss.. So wird der Stimmenchor immer wieder geprobt.

(Auf diese Weise werden die Haltungen der Spielerinnen umfassend gedeutet)

 

siehe auch ‘Szenische Interpretation’